Hike

“ Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird,

  sondern wie man alt wird“

Werner Mitsch

Wie lernt man ein Land am besten kennen?

Die Antwort lässt sich mit wohl einem Satz zusammenfassen: indem man es erwandert. Jede Landschaft ist auf ihre Art faszinierend schön. Ob karge Steppen, seenreiche Landschaften, Berge oder Flusstäler, ob Wälder mit krüppeligen, moosbewachsenen Birken den Weg säumen oder riesige Bäume in tropischen Breiten - erst wer diese unterschiedlichen Landstriche “betritt” und sich den jeweiligen Herausforderungen stellt,  wer den Kontakt mit der Bevölkerung jenseits der großen Städte sucht und auf Annehmlichkeiten zu verzichten bereit ist, wird unvergessliche Stunden erleben, von denen er den Rest seines Lebens zehren kann.

Damit diese Erlebnisse uns und auch anderen Menschen noch dauerhaft möglich sind, ist die Einhaltung einiger Grundregeln unerläßlich.

“Take only photographs -

   leave only footprints”

Was sich nicht rückstandslos beseitigen lässt (z.B. durch Verbrennen oder natürliches Verrotten), ist unbedingt mitzunehmen und nach Beendigung der Tour zu entsorgen! Ansonsten sieht es auch in scheinbar unberührter Natur bald wie auf einer Müllkippe aus.

Ebenso gilt es, Campspuren zu beseitigen. Wer ein Lagerfeuer entzünden möchte, sollte auf eventuell vorhandene Feuerstellen zurückgreifen. Auch hier gilt: Überreste anschließend sind zu beseitigen.

“Vorsicht ist besser als Nachsicht”

Erkundige Dich vor Ort über die Besonderheiten der Region und die zu erwartenden Wetterbedingungen. Insbesondere in niederschlagsreichen Gebieten oder gebirgigen Regionen können Witterungseinflüsse entscheidend auf den Verlauf einer Tour einwirken. Kleine Flüsse können nach starken Regenfällen unpassierbar und Nebel oder Kaltfronten im Gebirge zu ernsten Gefahren werden. Merke: Gebirgstrekking nur bei gutem Wetter!

Hinterlasse in Schutzhütten Deine geplante Route (Gästebuch) oder melde Dich vor Beginn der Tour in den Büros der Parkverwaltungen oder zuständigen Behörden. So können im Ernstfall rechtzeitig Suchmaßnahmen eingeleitet werden. Zumindest in einsamen Regionen oder nicht ungefährlichem Gelände sollten diese Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Nimm genügend Wasser- und Lebensmittelreserven mit und achte auf vitamin- und ballastreiche Kost. Hitze und pralle Sonne lassen den Wasserbedarf von normalerweise 2-3 Liter auf locker 4-8 Liter pro Tag und Person ansteigen! Dies insbesondere bei erhöhter Anstrengung in schwierigem Gelände. Dunkler, streng riechender Urin ist ein ernst zu nehmendes Signal für einen Flüssigkeitsmangel.

Achte auf jeden Fall auf eine der Situation angemessene Ausrüstung. Gutes Kartenmaterial und ein Kompaß gehören in unübersichtlichem Gelände oder im Gebirge immer zur Grundausstattung. Winterausrüstung sollte großzügig mitgenommen werden, da es auch im Sommer in Höhenlagen oder nachts in Wüstenregionen kalt werden kann. Spar nicht an einer Rettungsdecke aus Aluminiumfolie. Diese sind günstig, klein und leicht und können im Ernstfall Dein Leben retten!

“Überschätze nicht Deine Möglichkeiten”

 

Insbesondere, aber nicht nur Einzelgänger sollten besondere Vorsicht walten lassen und ihre Fähigkeiten realistisch abschätzen. Was bei Trockenheit und Sonnenschein einfach erscheint, kann schnell zum Albtraum werden. Dauerregen, Nebel, Schneefälle oder als anderes Extrem ausgetrocknete Flussläufe und Wassermangel können in agelegenen Gebieten ernsthafte Probleme nach sich ziehen. Vor Beginn einer Tour sollte sich daher jeder ernsthaft einige Fragen stellen:

- bin ich wirklich in der Lage, die geländespezifischen Schwierigkeiten zu meistern?

- reicht meine Kondition aus, um die Strecke auch unter ungünstigen Bedingungen zu bewältigen?

- reichen meine Fähigkeiten aus, um mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten fertig zu werden?

- Ist mein Material den Anforderungen gewachsen?

Eine Frage mit “nein” zu beantworten ist kein Zeichen von Schwäche, sie offenbart eher das Vorhandensein von Intelligenz und Ehrlichkeit. Es gibt überall genügend Alternativen, die pures Outdoorvergnügen gewährleisten. Und mal ehrlich - ich wander lieber mit einem Gefühl der Sicherheit und Entspannung, als die Angst um Leib und Leben im Nacken zu spüren!

“Genieße das Reisen”

Im Zusammenhang mit dem Reisen ist der Satz “Der Weg ist das Ziel” wohl eines der am häufigsten benutzten Zitate. Es gibt aber auch kaum eine treffendere Einstellung, die zur größt möglichen Zufriedenheit führt.

Wer in der Natur unterwegs ist, sollte sich ihr unterordnen, sich auch mit ihr abfinden. Wenn es regnet, dann regnet es. Wenn es kalt ist, dann ist es kalt. Wenn die Sonne scheint, dann scheint sie. Das ist ein Faktor, den wir nicht beeinflussen können. Wir können wohl mit dem Start warten, bis eine uns angenehme Witterung einsetzt (das ist manchmal durchaus ratsam!), doch was dann kommt, entzieht sich unserem Einfluss. Finde Dich mit “widrigen” Bedingungen ab. Lass nicht zu, dass regnerische Tage den Erholungswert schmälern, ein Trekkingurlaub gar in schlechter Erinnerung bleibt. Auch Regen und Kälte verleihen der Umgebung einen eigenen, manchmal zauberhaften Charakter. Moralische Tiefpunkte hat jeder ab und zu, mit der richtigen Einstellung lassen sie sich aber leichter überwinden. Und wer wirklich einmal mehrere Tage lang mit wassergefüllten Stiefeln durch die Gegend läuft, kann sich vielleicht ganz tief in sich zurückziehen und verrückten Gedanken nachhängen. Es kommen auch wieder bessere Tage. Und die haben es dann verdient, ganz besonders genossen zu werden!